Klappentext:

 

In Hopes Leben läuft gerade alles schief.

Ihre Confiserie steht kurz vor dem Bankrott und nur ein Wunder kann ihr noch helfen, damit ihr Lebenstraum nicht zerplatzt.

 

Vor diesem Chaos flieht sie von London aufs Land zu ihrer Granny, um dort ein wenig zur Ruhe zu kommen. Leider hat sie nicht mit dem ewig mies gelaunten, aber verdammt heißen neuen Nachbarn namens Nate gerechnet, der sie ganz schön auf Trab hält.

 

Seit einigen Monaten lebt dieser zurückgezogen auf dem alten Gutshof und begibt sich nur unter Menschen, wenn es gar nicht anders geht. Hope schafft es mit ihrer fröhlichen Art, dass er sich endlich ein wenig öffnet. Doch je mehr Nate sie in sein Leben lässt, umso misstrauischer wird Hope.

 

Warum will Nate absolut nicht über seine Vergangenheit sprechen und was hat es mit dem verschlossenen Zimmer auf sich? Als Hope eine Pistole in seinem Haus findet, ist sie sich sicher: Nate ist nicht der, der er vorgibt zu sein.


Textauszug
Letztes Jahr war ich noch glücklich verliebt, hatte einen gut gehenden Laden und außer meiner Vergesslichkeit keine Probleme. Nun möchte ich gar nicht aussteigen und den Schaden begutachten, weil ich mir die Reparatur sowieso nicht leisten kann. Frustriert lasse ich meine Stirn auf das Lenkrad sinken und erwische dabei versehentlich die Hupe, die natürlich einen Höllenlärm veranstaltet. Aber wer soll das in dieser Einöde schon hören? Wenn ich mich nicht irre, bin ich noch einige Kilometer von dem Haus meiner Grandma entfernt und außer Schafen ist niemand bei dem Wetter draußen. Geld für ein Taxi habe ich keines.
So sehr ich auch hin- und her überlege, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen. Mit einem lauten Seufzer öffne ich die Türe und würde sie am liebsten gleich darauf wieder schließen.
Es ist bitter kalt.
Um wenigstens ein klein wenig Licht zu haben angle ich nach meinem Smartphone und schalte die Taschenlampe an. Für einen kurzen Moment lasse ich den Gedanken zu, Granny anzurufen und sie zu bitten, mir ein Taxi zu rufen. Aber dieses bräuchte vermutlich nur noch länger hier her, als ich zu Fuß zu ihr. Mir bleibt keine Wahl. Ich muss aussteigen. Hinter mir werfe ich die Wagentüre ins Schloss und gehe los. Ich starre auf den Boden und versuche mit meinen Füßen in der Spur der Reifenabdrücke zu bleiben. Dabei bin ich so darauf konzentriert nicht im Schnee zu landen, dass ich die immer näherkommenden Scheinwerfer gar nicht richtig wahrnehme. Erst als der Wagen neben mir hält drehe ich mich um und starre auf den roten Truck. Ganz langsam wird das Fenster heruntergelassen und ich erkenne die Umrisse eines Mannes. Mit einer Stimme die vor männlichen Hormonen nur so trotzt fragt er: „Kann ich Ihnen helfen?“
„Ich hatte einen kleinen Zwischenfall mit einer Hecke und nun springt mein Auto nicht mehr an“, kläre ich ihn auf. „Die Straße ist aber auch kaum passierbar“, füge ich zur meiner Entschuldigung hinzu.
„Dann ist das also Ihr Wagen der dort vorne“, er deutet mit dem Daumen in die Richtung, aus der ich gekommen bin, „so bekloppt parkt?“ Seine Stimme klingt tief und beinahe gefährlich.
„Ähm haben Sie mir nicht richtig zugehört? Ich parke nicht dort, ich hatte einen Unfall. Sie wissen schon, Crash Boom Bang …“, versuche ich mich zu verteidigen. Zwecklos, wie ich gleich darauf feststelle.
„Und wann kommt der Abschleppwagen? Sie wissen schon, dass Ihr Wagen so nicht stehen bleiben darf!“ Verdammt, an den hatte ich gar nicht gedacht. Ich schiebe meine Brille, die mittlerweile nur noch halb auf meiner Nase hängt, zurecht.
„Sie haben doch einen gerufen, oder?“, knurrt er.
„Ähm … also um ehrlich zu sein … nein“, bis eben dachte ich noch, dass es nett von ihm war, anzuhalten und sich zu erkundigen, ob ich Hilfe gebrauchen könnte. Doch nach diesen paar Sätzen finde ich ihn so gar nicht mehr freundlich. Ich sehe wie er die Augen verdreht: „Soll ich Sie mitnehmen?“
„Danke für das Angebot, aber ich laufe lieber. Ich habe es nicht mehr weit und werde auch schon erwartet.“ Er ist zwar nicht sehr sympathisch, scheint mir aber auch kein Serienkiller zu sein. Aber man kann ja nie vorsichtig genug sein.
„Nun gut, wenn Sie lieber erfrieren wollen, ist das Ihre Entscheidung“, gibt er trocken zurück.
Im Radio läuft gerade der Wetterbericht. Eine Frauenstimme verkündet: „ … ist mit starkem Schneefall und Schneeverwehungen zu rechnen. Wir bitten alle Bewohner, in ihren Häusern zu bleiben. Falls Sie noch draußen unterwegs sein sollten, suchen Sie bitte schnellstmöglich Schutz.“
Mein vermeintlicher Retter in der Not zieht eine Augenbraue hoch und starrt mich schweigend an. „Also gut“, sage ich, ergebe mich meinem Schicksal und steige in den Truck.
„Wohin müssen Sie? Viel Möglichkeiten gibt es ja nicht.“ Als ob ich das nicht selber wüsste. Denkt der Typ etwa das eine Waldwanderung machen will oder was? Kurz und knapp nenne ich ihm die Adresse von meiner Granny.
„Schön, dann sind wir in wenigen Minuten da.“
„Sag ich doch“, entfährt es mir trotzig. Im Wagen ist es angenehm warm. Ich ziehe mir meine Mütze vom Kopf und fahre mit den Fingern durch mein Haar. Das schwache Licht der Armaturenbeleuchtung erlaubt mir, ihn ein wenig zu beobachten.
Wenn er gerade keine garstigen Kommentare von sich gibt, macht er eigentlich einen ganz netten Eindruck. Mein Blick wandert von seinem Bart, der mal wieder eine Rasur vertragen könnte, zu seinen dunkelbraunen, leicht gewellten Haaren und ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre sie zu durchwühlen. Ich blinzele den Gedankengang weg, um mich daran zu erinnern, wie eklig er sich bislang verhalten hat. Gut, er war so nett, mich nicht erfrieren zu lassen. Das war aber auch schon alles.
Ich hoffe, dass die Fahrt nicht mehr allzu lange dauert. Er ist schon extrem schweigsam und mir wird langsam langweilig. Um mich zu beschäftigen, schaue ich mich ein wenig weiter im Auto um. Der Boden ist mit Kiefernnadeln übersät, das Armaturenbrett überzieht eine dicke Staubschicht und zu meiner Freude entdecke ich, dass das Radio, ebenso wie in meinem geliebten Seat, noch ein Kassettendeck hat. Neugierig, was für eine Musik er hört, will ich auf Kassette umschalten. Seine Hand schnellt nach vorne, umfasst mein Handgelenk und hält es mit eisernem Griff fest. Er starrt zwar weiter geradeaus auf die Straße, doch dabei knurrt er fast schon furchterregend: „Das fasst niemand an!“
Ich versuche mich zu befreien und keuche vor Schmerz auf: „Aua! Sie tun mir weh!“ Jetzt bremst er leicht ab und sieht mich endlich an. Ein merkwürdiger Ausdruck liegt auf seinem Gesicht. Man könnte fast glauben, dass er tiefe Schmerzen empfindet, aber im Augenblick bin ich es, deren Handgelenk zerquetscht wird. „Ich habe es verstanden. Das Kassettendeck ist Tabu! Jetzt lassen Sie mich auf der Stelle los!“
Endlich tut er was ich möchte und lässt mich so schnell los, dass ich ein Stück zur Seite kippe und mich an der Türverkleidung abstützen muss, um nicht komplett die Balance zu verlieren. Aufgebracht will ich ihn gerade zur Rede stellen, als er auf das Gaspedal tritt, so dass der Wagen herumschlittert. Im Gegensatz zu mir und meiner Kollision mit dem Gebüsch, hat er seinen Truck aber schnell wieder im Griff. Eigentlich hätte ich Angst vor ihm haben sollen. Doch ich fühle nichts anderes, als eine unbändige Wut. „Wollen Sie uns umbringen?“, schreie ich ihn an.
„Sie dürfen das nicht anfassen!“, wiederholt er noch einmal anstelle einer Entschuldigung. „Keiner darf das!“
„Ja doch, das habe ich ja jetzt verstanden. Trotzdem müssen Sie nicht gleich handgreiflich werden! Wenn ich es mir recht überlege, will ich lieber aussteigen und den Rest laufen.“ Die Aussicht auf dem Weg zu Granny zu erfrieren, erscheint mir auf einmal gar nicht so schlimm.
„Brauchen Sie nicht. Wir sind da.“
...


"Schokoküsse unterm Mistelzweig" ist ein Gemeinschaftsprojekt von mir und meiner lieben Kollegin Dana Summer. Mehr über sie erfahrt ihr auf ihrer Seite: www.danasummer.de